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46 Tage Eis und Schnee

Die Fahrt nach Schweden lief problemlos ab, nicht einmal meinen negativen Test wollten sie an der Grenze sehen, jedoch wurden die Impfausweise meiner Hunde akribisch untersucht und sogar die Chipnummern drei meiner Hunde ausgelesen.

Nach der kurzen Unterbrechung ging es dann weiter zu Klaus und Doris, die Fahrt sollte allerdings auch noch eine ganze weile dauern und ich kam erst am Abend ziemlich erschöpft dort an. Dort lernte ich dann auch Carla kennen, die sich später als perfekte Tourenpartnerin herauskristallisieren sollte.

Ein wenig verrückt wirkt das ganze im nachhinein schon, mit jemanden auf Tour zu gehen, den ich nur von vorherigen Telefonaten kannte. Vor allem bei einer solchen langen und anstrengenden Tour wie ich sie geplant hatte. Aber die Tatsache, dass sie ihren Job dafür gekündigt hatte zeichnete sie in meinen Augen mit besonderem Mut aus, genau so jemanden konnte ich auf der Tour gebrauchen.

In Särna, bei Carla daheim luden wir noch den ganzen Abend bis spät in die Nacht Sachen und Austrüstungsteile aus, packten, besprachen das Problem mit dem immer noch nicht eingetroffenen Schlitten und checkten alles durch.

Das Verpacken der Tourennahrung stand dann gleich am nächsten Morgen auf dem Programm.

Bis wir alles vorbereitet hatten war es bereits später Nachmittag und wir spannten fünf meiner Hunde vor Carlas Schlitten und Odin vor ihre Pulka. Die ersten zwei Kilometer stellten sich als absoluter Horror heraus. Knie tiefer Schnee eine Temperatur von -28 Grad und der Schnee so weich, dass die Hunde immer bis zum Bauch versanken und mit mir drauf so schwer zu ackern hatten, dass sie kaum vorwärts kamen.

Ich lief dauerhaft hinter ihnen her und das ermüdete mich schnell und bescherte mir nasse Füße.

Als wir schließlich auf einen festen Trail trafen musste ich sofort die Schuhe wechseln, denn so nass wie sie waren so schnell wurden sie auch kalt und das wäre gefährlich geworden.

Denn jetzt, so wusste ich, brauchte ich nicht mehr selbst zu laufen sondern wurde gezogen und das Stehen hätte mir dermaßen kalte Füße beschert, dass mir dieser zustand Erfrierungen hervorgebracht hätte. Der Fehler lag darin, meine Ski Schuhe anzuziehen und diese waren nun mal nicht mehr wasserdicht.

Mit meinen warmen Winterboots von Sorel hatte ich binnen weniger Minuten wieder warme Füße und alles war für mich im Lot. Meine Meute brüllte derweil aus ihren Hälsen und wollte weiter ziehen. Ich hatte den Schneeanker noch nicht ganz aus dem Schnee gezogen, da ruckte der Schlitten schon an und riss mich mit. Die Dunkelheit traf so langsam ein und es wurde noch kälter. Carla und ich mussten erst einmal unser Tempo aufeinander abstimmen, derzeit war mein Gespann noch viel zu schnell und Carla kam mit der Pulka und Odin kaum hinterher. Ab und an wartete ich auf die beiden was aber für etwas Unmut bei ihr sorgte und ihr die Abstände zu groß waren. Wir sprachen über ihre Ängste, dass Tempo auf der Tour nicht halten zu können und eine herzliche Umarmung schaffte ein gutes Gefühl bei uns beiden und ich versicherte ihr, die Tour mit ihr gemeinsam zu machen und das wir ein gutes Team werden würden.

 

Der gute Trail bescherte den Hunden viel Spaß beim laufen und wir kamen zügig vorwärts, gegen 22.30 Uhr kamen wir an einen Unterstand an dem wir zelten wollten. Carla kümmerte sich um das entzünden des Feuers und meine Aufgabe bestand darin den Kocher anzuschmeißen und zu kochen.

Das Zelt bauten wir beim ersten mal zusammen auf, damit Carla dies in Zukunft allein machen konnte.

Meine Luftmatratze verfluchte Carla, denn man muss sie mit beiden Händen aufpumpen.

Ein kleines Luftpolster in ihr integriert, zieht Luft beim loslassen und schiebt diese dann beim herunterdrücken in die Matratze rein.

Dieser Prozess erfordert Zeit.

 

Der Schnee denn ich geschmolzen hatte kippte ich in die Hundenäpfe, in denen sich bereits das Futter und etwas Lachsöl befand.

 

Bei der Arbeit, die die Hunde auf einer solchen Tour verrichten mussten verbrennen sie zwischen 2500-4500 kcal am Tag und dafür brauchte man das richtige Futter bez. die richtige Mischung. Seit einigen Jahren füttere ich schon Meradog care Energy und es bildet für mich eine super Grundlage um die nötige Leistung mit den Hunden zu erzielen.

Dazu gibt es immer etwas gewolftes Rinderfett. Dies konnte ich allerdings schlecht in den Depots lagern, also wich ich auf Lachsöl aus und plante für jeden Hund zusätzlich 100 Gramm ein. So bestand das Hundefutter aus 500 Gramm Trockenfutter und 100 Gramm Lachöl. Eines musste ich allerdings während der Reise lernen, FETT FETT FETT.

Wir merkten im laufe der ersten zwei Wochen, dass bei dieser kälte die Hunde mehr Energie verbrannten als wir Futter hatten bez. mussten wir die Menge an Futter in die Hunde rein bekommen. So mischten wir das Energy Futter mit 100 Gramm Lachsöl und 100 Gramm anderem Fett (meist Kokosfett). So das die Hunde dann im Schnitt auf ihre 3200 kcal am Tag kamen. Beim nächsten mal, würde ich es mit einer Mischung von 500 Gramm Trockenfutter und 300 Gramm Fett am Tag versuchen und 3 mal am Tag füttern. Wir gaben den Hunden Morgens und Abends ihre Hauptmahlzeiten. Die Rinderkopfhaut welche wir den Hunden immer mal Mittags gaben, diente der Beschäftigung und besteht zu 95 Prozent aus Proteinen.

Die Freude war jedenfalls groß und alle stürzten sich auf das Futter.

 

Lange noch saßen wir am Lagerfeuer und erzählten uns Geschichten und tauschten Erfahrungen aus.

Am nächsten Morgen auf der Rücktour schien die Sonne und es wurde sogar schon fast warm. HAHA

Mittags bereits kamen wir bei Carla wieder daheim an und es ging gleich weiter, für eine Verschnaufpause war kaum Zeit und ich musste das Auto vorbereiten für die Abfahrt am nächsten Tag, die Depotkisten ect. alles musste fertig verladen werden.

 

Da ich euch jetzt aber nicht damit zutexten will, wie aufregend die Autofahrt war mache ich es kurz. Ich verteilte alle Depotkisten, stellte das Auto in Abisko ab und fuhr mit dem Zug zurück nach Särna.

4 Tage später...

 

Der Schlitten war glücklicherweise eingetroffen und wir konnten ihn beladen, ließen uns diesmal Zeit mit allem und kamen dann Freitags Mittag den 5 Feb. endlich los. Die Strecke über Grövelsjön bis in den Rogen Nationalpark war super präpariert und wir fuhren schnell über den Trail.

Von dort aus folgten wir dann dem Ski Weg und von wo aus nicht mehr gespurt war, Carla ging voran und zeigte meinen Hunden die Richtung. Splash machte uns zu schaffen, dass sind Stellen wo zwischen Schnee und Eisschicht auf einem See noch Wasser ist und was sich als Eis getarnt dann fest unter Skier und Schlittenkufen pappt, was bleischwer ist und sich nicht wieder lösen lassen will.

Zwischen den Seen fuhren wir immer wieder über Landzungen auf dessen Schneeschicht  meine Hunde und ich immer mal wieder durchbrachen und zwischen die großen Steine rutschten die unten drunter lagen. Das war eine kreuzgefährliche Angelegenheit und mal abgesehen davon das der Schnee so tief war, dass man eh nicht schneller fahren konnte als Schritttempo wäre das ein weiterer Grund gewesen.

 

Nach nur 26 km gaben wir auf und bauten unser Zelt auf, ich war ziemlich erschöpft und weder die Hunde noch ich hatten Spaß bei der Quälerei. Die Rückseite der Beine wurden in diesem Schnee aufgerissen und waren Wund, besonders bei den Leithunden, wir tauschten immer mal wieder die Hunde vorne und so kamen wir einigermaßen weiter und die Schmerzen wurden unter den Hunden gleichmäßig aufgeteilt.

Weiter ging es durch Tänndalen in Richtung Ljungdalen. Die Pfoten der Hunde mussten täglich versorgt und mit Fettsalbe behandelt werden. Wir booteten jeden Morgen alle Hunde und machten uns Gedanken darüber woher wir weitere Booties und Pfotensalbe bekommen könnten, wenn der Zustand anhalten würde. Das Wetter war weiter anhaltend kalt immer zwischen -20 und -30 Grad und der Trail war fest und hart.

Bis Ljungdalen waren es knapp 60 km Entfernung und auf dem Weg in die Richtung tauschten wir die Idee aus den ganzen Weg zu fahren noch am selben Tag.  Es wurde später und später, Carla sah nicht gut aus in meinen Augen und ich machte mir Sorgen. Auf meine Fragen hin wurde mir entgegengebracht dass alles gut sei.

Unsere Kommunikation viel sehr knapp aus. Unter den Bedingungen ist vergeudet man keine Zeit und Energie für überflüssiges Gequatsche. Es gab im regelmäßigen 20 Minuten Takt Schokolade für Carla, die mir immer noch fleißig auf Ski am Schlitten hang. Angekommen waren wir um so glücklicher, als wir feststellten dass wir in der Nacht in einer Hütte schlafen konnten und kein Zelt mehr aufbauen mussten. Die wärme im Haus tat uns gut und meine etwas verkühlte Nase taute wieder auf. Tatsächlich hatte ich noch ein paar Tage ein etwas zwiebelndes Gefühl auf ihr und ich war gut beraten in Zukunft besser auf sie zu achten.

Es folgten zwei Tage Pause, da wir und vor allem die Hunde Pause benötigten und das Wetter auch Umschlug und es im Fjäll stürmisch war. Am dritten Tag starteten wir trotz schlechter Wetterprognose, es stürmte und die Sicht war schlecht. Freya drehte oft um und wir tauschten die Leithunde öfters mal um die Motivation der Hunde oben zu halten.

 

Über Are ging es weiter nach Westen, als uns die Spuren der Skidos verließen und wir durch den tiefen Schnee fahren mussten kamen nicht nur die Hunde an ihr Leistungslimit, sondern auch ich. An einem Tag fuhren wir ganze 17 km in 9 Stunden und Essen kochte ich nicht mehr, Carla war so lieb und übernahm meine Aufgabe an diesem Tag. Durch das hinterherlaufen hinter dem Schlitten erschöpfte ich wesentlich schneller als Carla auf ihren Skiern. Die Kilometer zogen sich wie Kaugummi und es war harte Arbeit, für alle meinen fleißigen Hunde, aber auch für Carla die uns die Spur legte. Odin lahmte und wir verluden ihn im Schlitten.

Als wir in Gäddede ankamen und bei Eva bleiben durften, einer herzenslieben Musherin mit Alaskan Malamuten, war es einige Tage bereits so warm, dass die Seen anfingen aufzutauen und oft Wasser oben auf Ihnen stand. Eine solche großzügige Gastfreundschaft wie sie uns Eva entgegenbrachte, hatte ich bisher noch nicht erlebt. Nicht nur das wir bei ihr übernachten durften, sondern die Hunde hatten Holzwolle in ihren Boxen und das Lahmen von Odin zwang uns zum Tierarzt zu fahren, woführ wir Ihr Auto bekamen. Die bittere Diagnose war eine Sehnenscheidentzündung an der Innenseite der Schulter. Eine Verletzung, mit der er auf keinen Fall weiter konnte. Meine Stimmung war ganz unten angelangt und ich dachte darüber nach die Tour abzubrechen. Nach allen Überlegungen und einem langen Gespräch auf der Rückfahrt vom Tierarzt endschied ich mich dazu Odin, Eva anzuvertrauen. Es ging also weiter, und verabschiedeten uns von Gäddede und fuhren mit 5 Hunden davon.

 

Das Wetter hatte sich gebessert, die Trails waren hart und gut zu befahren und es lief wie am Schnürchen. Die Sonnenaufgänge und -untergänge rauschten nur so an uns vorbei und wir fuhren schnell über den Trail. Inzwischen zählt mein GPS Gerät über 1000 km und wir fühlen uns jeden Tag aufs neue überwältigt von der Schönheit dieser Natur. Eine Art Wildnis, die bedroht ist vom Kilmawandel, der Verschmutzung durch den Menschen aber auch durch Abholzung der Wälder.

Ich glaube wir können den Schaden noch gar nicht abschätzen den wir durch unsere Gier anrichten. Das Wachstum ins unendliche was der Kapitalismus anstrebt wird letztendlich zu unserem Untergang führen, sollten wir die Kurve vorher nicht bekommen. Wir lebten seit einigen Wochen vom nötigsten, das bedeutet ein Stück Seife, drei Satz Unterwäsche, zwei verschiedene Laufhosen plus die Zwiebelschichten. Die Lebensmittel, die wir mit hatten beschränken sich auf ein Minimum. Unser Luxus war für Carla ein Stück getrocknetes Rentierfleisch und für mich, immer mal wieder ein Stück Käse. Ansonsten leben wir nahezu vegan. Immer wieder beschäftigt uns die Frage was braucht ein Mensch wirklich und was treibt ihn dazu so viel im "normalen Leben" zu konsumieren? Warum sind wir hier auf der wunderschönen Erde? Um unser Leben lang fleißig zu sein und für die Rente zu sparen? Oder Arbeiten zu gehen um sich einen Lichtschalter zu kaufen mit dem man sprechen kann um Sonntags vom Sofa nicht mehr aufstehen zu müssen, weil ich so geschafft von der Arbeit bin mit dessen Geld ich mir das Ding gekauft habe? Nein Danke, ein befreiendes Gefühl sich von diesen Lastern mal nicht erdrücken zu lassen.

 

In Saltaluokta starteten wir morgens bei kalten - 20 Grad und legten uns vorerst noch nicht genau auf ein Ziel fest. Wir rasten über den Trail und Carla kommt nicht dazu ohne am Schlitten angebunden zu sein auf den Ski zu stehen. Am Anstieg nach Tjuonakk legten wir unsere Mittagspause ein und machten uns fertig für eine Tortour auf ins Fjäll. Ski abschnallen und Jacke aus, damit wir beiden selber mitlaufen konnten. Nicht lange ließen dies die Hunde zu, plötzlich zogen sie an und Carla konnte gerade noch auf den Schlitten aufspringen. Die restlichen 350 hm brauchten wir keinen Schritt mehr selber zu laufen. Ein Rentier motivierte meine Meute dazu und dies sollte vor uns bleiben, bis Nikkaluokta. Ganze 31 km waren es in Summe und so war es uns allen möglich die Strecke von 78 km an einem Tag zu bewältigen. Carla versuchte mich am nächsten morgen davon zu überzeugen weiter zufahren. Aber nach dieser Mammutstrecke streike ich, fasziniert von ihrem unglaublichen Willen weiter zu fahren, entschied ich mich dennoch dagegen. Ich durfte die Leistung meiner Hunde nicht überstrapazieren und manchmal ist weniger mehr in meinen Augen. Anders als bei einem Rennen haben fünf Hunde das Gepäck für drei Tage, Carla auf Skiern hinten dran und mich auf dem Schlitten gezogen.

Da der Wetterbericht leider Verschlechterung voraussagte mussten wir zwei Tage pausieren, was uns die Hunde dankten. Am zweiten Tag trafen wir Doris uns Klaus, die mit ihren Malamuten eine Tour durch den Padeljanta Nationalpark gemacht hatten. 2018 sind die beiden ebenfalls das Vitabandet gelaufen und im Vorfeld durfte ich viele Tipps und Kniffe von ihnen erfahren. Auch den Kontakt zu Eva habe ich den beiden zu verdanken, ohne diesen unsere Tour wohl vorzeitig zu Ende gewesen wäre.

Vielen Dank dafür!

 

Nach zwei Tagen Ruhe und Erholung für die Hunde und mich und ein paar Kilometer auf Skiern für Carla ging es weiter Richtung Singistuga.

An der Kebnekaisefjällstation vorbei wurde der Wind heftiger und uns passierten Skifahrer in entgegengesetzter Richtung. Weiter oben im Fjäll kam uns ein großes Grönländer Gespann mit zwei Personen entgegen, nach einem kurzem Schnack (sofern dies bei diesem Wind möglich war) wollten wir weiterfahren.

Ich stand vorne bei meinen Hunden und schaute zurück, da sah ich die Frau von dem anderen Gespann wie sie mit dem Arm in meine Richtung zeigte. Ich schaute zu Carla und sie war bereits hinter dem Schlitten verschwunden. Beim umdrehen wusste ich warum! Eine ca. 50 Meter Hohe und 300 Meter breite Schneewand kam auf uns zu und ich hatte etwa 5 Sec. Zeit um mich in Sicherheit zu bringen. Hinter dem Schlitten gesprungen waren mein Gespann auch direkt bei uns und rollen sich ein. Keiner von uns wusste was in dem Moment passierte, ich dachte an eine Lawine. Was kam war dichter Schneestaub, der von einer vor uns abgegangen Lawine in unsere Richtung geblasen wurde. "Puhh glück gehabt" ging durch meinen Kopf. Ich war kurz davor umzudrehen und zu Fjällstation zurückzukehren. Unsere kurzes Gespräch habe ich noch genau vor Augen.

 

"weiter?"

"weiter!"

"OK, aber sowas nochmal kommt, drehen wir um!"

"OK"

"OK, dann weiter"

 

Wer hier was gesagt hat, denke ich erschließt sich jedem selbst. 

 

Wir fuhren weiter im harten Wind und Carla voran wie so oft sie, gab den Hunden den Trail vor. Über diese Zähigkeit, härte im Kopf und einem gnadenlosen Willen weiter zu gehen bin ich zu tiefst begeistert. Aber auch diese einfach schier überragende körperliche Leistung, die Carla jeder Zeit an den Tag legte, entlockten mir oft ein Staunen.

 

Einige Stunden später kamen wir an der Singistuga an und waren uns recht einig darüber dort zu bleiben. Nordlichter am Abend bescherten diesem herausfordernden Tag ein schönes Ende.

Die Sicht war am nächsten Morgen trüb und so fuhren wir zügig bei hartem Wind weiter. In Alesjauresstugorna angekommen blass der Wind immer noch ordentlich und wir sichte eine Weile nach einem Windgeschütztem Platz für unsere vier beinigen Begleiter. Am Abend kamen die beiden Hüttenwirte und berichteten uns von der Wettervorhersage für die nächsten zwei Tage,

die nichts gutes versprach.

Am folge Tag sollte es 14-25 m/s Wind aus Südwest geben, also für uns soweit ok.

Am darauf folgendem Tag allerdings ab Mittag bis zu 35 m/s Wind!!! Was es jedem unmöglich macht sich sicher fortzubewegen. Nein, es ist schier nicht möglich auf Skiern zu stehen bei solchen Windböen. Ich erinnerte mich da an einen anderen Tag bei Geschwindigkeiten bis zu 24 m/s, an dem der Wind Carla einmal umstieß und wir kurz davor waren nicht weiter zu fahren.

Das konnte für jeden der sich draußen befand Lebensgefährlich sein.

 

Nach einem erholsamen Schlaf gab uns der Rückenwind Schub von hinten, wir bewegten uns gut vorwärts. Bis es plötzlich es einen Ruck tat und sich der Kunststoffbelag von meinem Schlitten an einer Stelle löste. Wir hatten zwar Ersatzbeläge mit, allerdings erschien es mir nicht möglich bei diesem Sauwetter die Reparatur zu erledigen. Ich entschied "weiter fahren auf verschleiß". Der Schlitten glitt gut und so konnte es etwas werden!

 

An einer Schutzhütte trafen wir eine Schulklasse aus Frankreich.

Mit den beiden Lehrern zusammen besprachen wir die Wetterprognose und schlugen ihnen vor mit uns nach Norden zu laufen/fahren, woher sie kamen. Nach einiger Beratungszeit intern entschieden die beiden weiter zu gehen und die Zeit zwischen abflauen des Sturmes an diesem Tag und aufkommen des Sturmes am Folgetag zu nutzen. Wir fuhren weiter und später sollte sich herausstellen das alle gesund und munter an ihrem Ziel ankamen.

 

Bevor ich aber zum Ende komme, einer sehr bereichernden Tour, möchte ich noch ein paar Menschen vom Herzen her danken.

Meine treuen Grönlandhunde:

Freya, Odin, Marwin, Suka, Yuka und Friedjof Nansen, "ohne euch wäre das so nicht möglich gewesen".

Meiner Tourenbegleitung Carla, "du hast diese Reise für mich zu einem unvergesslichem Erlebnis gemacht, das mich nachhaltig geprägt hat".

Die Geschirre, welche ich von Carsten Flauger bekommen habe, haben sowohl beim Training und dann auch auf der gesamten Tour ihren Dienst geleistet und halten jetzt bereits seit über 3000 km in harter Zugarbeit.

Bei Gottfried Schulz Hagen, die mir finanziell geholfen haben die Tour machen zu können,

bei Meradog für das Futter und bei Pfotenharmony für die Kauartikel.

Aber auch bei Eva, dafür das du meinen Odin so herzlich betreut hast.

Meiner Familie, die mich mit Ausrüstung (Batterien, Kartons für die Depots) und der Betreuung von Taiga unterstütze.

Für die vielen Tipps und Tricks, Kontakte und den Support im Hintergrund von Kimbears (Doris und Klaus).

 

Vielen Lieben Menschen (wie der Campingplatzbesitzer von Kjättelfjäll, der mir mein Handy wieder gebracht hat als ich es mal wieder verloren hatte), die jetzt hier nicht alle namentlich erwähnt wurden.

 

Der Wunsch, das Ziel nicht zu erreichen, sondern viel lieber weiter zu Reisen hatte an vorerst keinen Platz sich zu entfalten. Das Wetter war zu schlecht und der Schneestaub kroch in jede Ritze und bei ein paar Minuten stillstand lag auf jeden der Hunde ein Eispanzer. 

Immer weiter Talabwärts kurz vor Absiko kam dann doch wieder dieses Gefühl in mir auf, ein Gefühl tiefster Demut, Glück, Zufriedenheit, eine Verbindung zu seiner Umwelt und vor allem zu sich selbst. Die Verbindung zu seinem eigenen Kern geht viel zu oft verloren in der Hektik und dem Stress des Alltags in der Zivilisation.

 

Für mich stand fest ich ziehe die Reißleine, bevor ich im Hamsterrad wieder so viel Fahrt aufnehme, dass ein rausspringen zu schmerzen führen würde. Gesellschaftliche Normen werde ich hinter mich lassen und meinen Weg gehen. Ich lausche lieber dem Wind, anstatt mit Lichtschaltern zu sprechen. 

Ich jedenfalls habe meinen "sicheren" Job gekündigt, lasse die Versicherungsgesellschaft allein mit sich und fange an zu leben.

Eines setzt das ganze allerdings voraus, die Gitter zu erkenne, die einen einsperren.

 

Denn wenn ich von einem ganz besonderem Menschen eines lernen durfte, dann ist es:

 

Mut heiß nicht keine Angst zu haben Mut heiß nur, dass man trotzdem springt.*

 

 

 

*Zitat von: Sarah Lesch