Dogtrekkertaufe im Karwendel

 

4 Uhr morgens, „Ey Lukas, wir haben verschlafen, es ist schon 4 Uhr.“

 

Nun gut, wir schälten uns aus unseren Schlafsäcken, Friedjof Nansen hatte Blähungen, so fiel uns das Aufstehen auch nicht wirklich schwer.

Ein letzter Check der Ausrüstung und los. Unser erster Zwischenstopp war die Mittenwalder Hütte. Der Anstieg von ca. tausend Höhenmetern war gnadenlos und wir fingen schnell an zu schwitzen, obwohl die Temperatur knapp unter Null Grad war.

An der Hütte angekommen, schenkte uns der Morgen den ersten genialen Ausblick auf die Bergwelt.

 

Die Bäume wurden kleiner und verschwanden bald unter uns. Der Steig wurde steiniger und steiler, aber noch waren wir frisch und voller Tatendrang, so zogen uns Marwin, Friedjof Nansen und Taiga den Berg rauf, und nach ein paar Stunden waren wir oben, kurz vor der Westlichen Karwendelspitze. Dort gönnten wir uns ein Frühstück, und die Brötchen mit leckerem Aufstrich schenkten uns neue Kraft für den weiteren Tag.

 

Es ging über den Sattel in die Dammkarscharte, dort lag noch einiges an Schnee, und man konnte auf dem dreckigen, von Steinen besprenkelten Schnee die zahlreichen Steinschläge sehen, was für uns bedeutete, weit in der Mitte zu laufen, wo diese nicht lagen.

 

Für Heiner war es die erste Tour im Hochgebirge, sozusagen eine Feuertaufe der besonderen Art.

Die Schneefelder waren so steil und rutschig, dass es für mich einfacher war zu rutschen anstatt zu laufen,und das macht ja bekanntlich irre Spaß. So schlliderte ich mit den drei Hunden die Schneefelder herunter. Heiner zog es vor zu laufen.

 

Angekommen an der Bergwachthütte, machten wir eine Trinkpause für die Hunde und unterhielten uns mit den Bergwachtmenschen, die gerade ihren Frühjahrsputz machten.

 

Von dort aus ging es hinauf zum Predigtstuhl, die Passage hat es in sich und erfordert für Mensch und Hund höchste Konzentration, ich übernahm Marwin, und brachte stellenweise die Hunde einzeln über die seilversicherten Stellen bzw. Schneefelder, die dazu einluden abzurutschen, was allenfalls unschön ausgegangen wäre. Im günstigsten Fall wäre man 15 Meter ins Geröll gerutscht.

 

So gingen wir vorsichtig Schritt für Schritt weiter, ein Bein vor und dann wieder mit dem Pickel vom Wanderstock in den Schnee geschlagen, um etwas mehr Halt zu bekommen. Bei einem Schneefeld war ich etwas zu übermutig und lief mit allen drei Hunden gleichzeitig los, das klappte natürlich nicht, Marwin rutsche ab und konnte sich bedingt durch die Booties nicht festkrallen. Dank dem Stock im Eis steckend konnte ich uns halten und Marwin wieder hochziehen. Ich löste die Leine und er ging zurück zu Heiner. Ihn holte ich dann später nach.

 

Ein schönes Gefühl, ein wenig Adrenalin im Blut zu spüren, da weiß man gleich wieder, das man lebt.

Heiner sicherte sich mit 2 Stöcken ab. Da er nur mit Trailschuhen unterwegs gewesen ist, war die Gefahr abzurutschen noch größer als bei mir.

Auf halber Strecke trafen wir unsere Parkplatznachbarn, die Heiner und mir Mut machten, und uns erzählten, dass noch krassere Streckenabschnitte auf uns warteten. Ich hatte das Gefühl, dass es nicht unbedingt das war, was Heiner gebrauchen konnte.

Naja, jetzt war es nicht zu ändern, und wir mussten da durch.

Eine letzte knackige Stelle versprach ein Ende des kletterreichen Abschnittes.

 

Wir seilten die Hunde ca. 3 Meter ab, dabei legen sie sich ins Geschirr und liefen bergab, wurden gehalten von mir und Stück für Stück herunter gelassen. Friedjof hat das zum ersten Mal gemacht und hatte natürlich Angst. Aber durch ein wenig Zureden, und das Vertrauen, was ich von ihm genieße, fasste er seinen Mut zusammen und auch er meisterte die echt knifflige Stelle. Alle Hunde machten perfekt mit und auch bei umherspringenden Gämsen rissen sie nicht an den Leinen, sonst wäre ich wohl nicht hier und könnte diesen Text schreiben. 105 kg Hundemasse könnte ich natürlich nicht halten - wenn sie nur wollten.

 

Angekommen an der Hochlandhütte gab es Käsnudeln und ein leckeres Weizen. Nach dem leckeren Mittagessen wollten wir noch weiter auf den Wörnersattel. Ein Aufstieg von ca. 250 Meter, der sich lohnte. Wir gingen auf dem Sattel bergab und suchten uns ein schönes Plätzchen zum biwakieren.

 

Früh fielen die Augen bei mir zu. Ab und an wachte ich auf, weil ich etwas gerutscht bin. Heiner konnte eigenen Angaben zufolge nicht so gut schlafen, da auch er immer wieder mit dem Schlafsack rutschte.

 

Morgens gegen 5 Uhr stand ich auf, und lief zurück bis auf den höchsten Punkt des Sattel, um ein paar schöne Bilder zu machen. Etwa 1,5 Stunden war ich unterwegs. Das danach leckere Frühstück aus Schokolade und Nüssen bestehend schmeckte gut. Zum Abschluss, bevor wir aufbrachen, machte ich noch meine morgendliche Meditation, die das Gefühl der Freiheit noch bestärkte, was ich verspürte.

 

Nur in dem Moment, in der Sekunde zu sein, und nicht an morgen zu denken, ist ein schönes Gefühl.

Hinab den Rehbergsteig entlang zum Jägersteig, verflog die Strecke im Nu. Anschließend hinauf zum Bankerl, war nochmal ein Stück zu laufen, was sich zog. An einem Gebirgsbach angekommen, lud eine günstige Stelle ein zum Baden. Also was solls, Klamotten aus und ab hinein ins eiskalte Wasser.

 

 

 

Am Bankerl angekommen, schenkte uns das Bergmassiv ein beeindruckendes Panorama auf den Fels.

Zum Schluss kam der Ochsenbodensteig, welcher uns ein nicht aufhörendes Hinablaufen abverlangte. Friedjof hatte schon kein Interesse mehr daran voran zu stürmen, und lief freiwillig hinter mir. Nach unzähligen Serpentinen kamen wir beim Auto an, und gönnten uns zusammen 3 Pizzen und ein paar Bier als Belohnung für die grandiose Tour.

 

 

 

Ich möchte zum Schluss noch Heiner meinen größten Respekt aussprechen, der zum ersten Mal im Hochgebirge war, um dann gleich mit mir ein paar knifflige Stellen von einem Maria Müller Hike zu laufen. Die Feuertaufe ist bestanden und ich denke, du darfst dich jetzt Dogtrekker nennen.