2. Tag Genuss und Träumereien

 

 

 

Morgens gegen 5 Uhr legte sich der Wind und die meisten Wolken verschwanden. Die Vidda öffnete sich mir und Kimara und Kotroi (zwei meiner Hunde) wurden langsam unter dem Schnee, der sie zugeweht hatte, wach. Ich baute mein Zelt ab, verstaute alles im Schlitten und spannte die Hunde ein. Diese waren bereits wieder aufgedreht und wollten nur noch laufen, laufen, laufen.

 

Nach ein paar Minuten entdeckte ich die Hütte, zu welcher ich am Tag zuvor versuchte, vorzudringen…

 

 

Die Landschaft war traumhaft schön und es gab nichts, was mich an die Zivilisation erinnerte. Es gab keine Schneemobile, keinen Lärm und keine Menschen. Die Möglichkeit, einmal wirklich in sich zu kehren und zur Ruhe zu kommen, bot sich hier wie nirgendwo anders. Die Bergketten, an denen wir entlangfuhren, glänzten im Sonnenlicht und es war nichts zu hören, außer das leise Knirschen vom Schnee, den der Schlitten verdrängte.

 

Es ging einen Flusslauf hinunter und ich musste oft vorweggehen, um zu schauen, wo wir überhaupt weiterkamen. In Hedlo angekommen, war der Rest der Tagesetappe ein Kinderspiel. Wir musste von nun an immer nur flussaufwärts bis nach Hadlaskart weiterfahren. Meine Leithündin besitzt die Fähigkeit, zu spüren, wo das Eis sicher ist und wo nicht. So verließ ich mich voll und ganz auf sie, den richtigen Weg zu finden. Trotzdem blieben natürlich die ersten paar Kilometer ein mulmiges Gefühl im Bauch. Bei fließendem Gewässer kann man sich nie sicher sein, es wechseln häufig die offenen Stellen auf dem Fluss. Nach zwei entspannten Stunden auf dem Schlitten kamen wir in Hadlaskart an, wo gerade die Hütte mit Brennstoff und Lebensmitteln versorgt wurde.

 

 

An diesem Abend machte ich es mir bei Kerzenschein in der Hütte gemütlich, der Holzofen sorgte für die nötige Wärme, bei der ich einen heißen Tee trank und ein Buch las.

 

Es ist dieses Einfache, auf das Wichtige beschränkte, was mir innerliche Ruhe verschafft – das Verlassen auf seine eigenen Fähigkeiten, eine Woche keinen Handyempfang zu haben und nicht bei Facebook die neusten Nachrichten zu begaffen. An diesem Abend bemerkte ich, wie gut es tat, dem bürgerlichem Leben für eine kurze Weile zu entfliehen und auf eine sehr ursprüngliche Art zu reisen.

 

Die Bilder der Bergketten, zugefrorene Seen und Wasserfälle verfolgten mich noch eine ganze Weile.

Spät ging ich an diesem Abend schlafen…