4.Tag der Sonne Entgegen

Windstille, kalte Luft und ein klares Hochdruckgebiet zeichnete sich an diesem morgen ab.

Ein wunderschöner Tag zum fahren, dachte nicht nur ich mir, sondern auch meine vierbeinigen Begleiter. Obwohl man ihnen die Anstrengungen der letztem Tage anmerkte, hatten sie Bock und zeigten ihr typisches Verhalten als ich den Schlitten richtete und die Geschirre heraus holte. Schreinen und ins Stake Out springen beherrschten die 20 Minuten bis zum Start.

 

Es ging zunächst hinunter über den See um am anderen Ende wieder einen langen Anstieg hinaufzufahren. Kimara und Marwin liefen vorn und suchten den Weg in diesem unwegsamen Gelände. Es ist höchst anstrengend für Hunde die korrekte Richtung einzuschlagen, wenn kein Weg vorhanden ist.

Dazu kam noch, dass ich auch zunehmend Probleme hatte meine genaue Position zu bestimmen. Wenn man merkt, dass man gerade ziemlich ausgelaucht ist, sollte man eine Pause machen und etwas Schokolade essen. Es gibt Kraft und Energie.

 

In dem Zuge tauschte ich Marwin und Kotori aus, um dem jungen Leithund etwas ruhe zu gönnen. Dieser konnte wieder voll durchstarten zog wie ein Ochse die Ausrüstung jeden Berg hinauf.

 

Die Sonne hatte mittlerweile ihren Höchststand erreicht und die morgendliche kälte völlig vertrieben. Das machte nicht nur meinen Hunden schwer zu schaffen sondern auch mir. Es war extrem anstrengend in dem sulzigen Schnee hinter dem Schlitten herzulaufen geschweige denn ihn zu ziehen.

Meine Position genau zu bestimmen gelang mir immer noch nicht und so beschloss ich immer weiter zu fahren bis ich irgendwann an der Auffanglinie Tyssevatnet einem großen langgezogenen See zu landen.

Auf einem Ebenfalls großem See angelangt, machte es mir die Aufstiegskannte schwer mich für einen Weg zu entscheiden. Ein sachter Aufstieg mit Lawinengefahr oder den knallharten Anstieg der mit meinem 100kg schweren Schlitten zu einer Tortur werden sollte.

Meine Entscheidung fiel auf Grund der Tatsache das ich allein unterwegs war auf den Steilen Anstieg der sich 2 Meter nahezu senkrecht hinaufzog.

Die Hunde gaben ihr bestes und ich schob und schob wie ich nur konnte. Zentimeter für Zentimeter ging es voran und die Krallen der Hunde verankerten sich im Eis der steilen Wand. Es gelang es uns mit einer Zwischenpause nach einer halben Stunde die Ausrüstung hinauf zu zerren.

 

Auf jedem weiterem Hügel eröffnete sich  immer das gleiche Bild, ein kleiner See mit nicht endenden Hügeln, alles sah gleich aus und wir kamen nur schwerfällig weiter.

Die Sonne wurde schwächer und schritt immer weiter zum Horizont. Ich befürchtete das ich eine weitere Nacht im Zelt verbringen müsse,

wenn ich vor dem Sonnenuntergang nicht bis zur nächsten Hütte gelangen würde.

Nicht das es mir etwas ausgemacht hätte im Zelt zu schlafen, aber mit Sicht auf mein Brennstoffvorrat der sich noch auf ein Liter Spiritus belief (da ja mein Petroleum ziemlich nutzlos war mit einem kaputten Mehrstoffkocher).

Nach einem der Endlosen Hügel erschloss sich vor mir der Große See Tyssevassnet zu dem ich wollte. Es galt jetzt nur noch diesen zu überqueren und auf der anderen Seite die Hütte Tyssevassby zu erreichen.

 

Ich stand im Kampf mit der Zeit und die Sonne war bereits am untergehen. Große breite Eisspalten machten es mir unmöglich einen Übergang auf den zugefrorenen See zu finden. Das Ufer bestand aus senkrechten 3-6m hohen Felskanten oder abfahren mit breiten Eisspalten als Zugang zum See. Allein hier draußen wo weder jemand herkam noch mein Handy Empfang hatte, wäre ein Fehler oder gar ein Unfall fatal und könnte eine Dramatische folgen haben. So gab ich total erschöpft im halb dunklen auf und stellte mein Zelt auf.

 

Die Temperatur zog von Minute zu Minute an und es wurde kälter. Meine treuen Begleiter bekamen alle ein großes gefrorenes Stück Fleisch mit dem sie sich den Rest des Abends beschäftigten.

Bei mir standen Nüsse, Kekse und Schokolade auf dem Speiseplan. Ein guten 3/4 Liter Brennstoff benötigte ich für ca. 1,5 Liter Tee, den ich mir so einteilte das ich die eine hälfte Abends und andere hälfte morgens zum aufwärmen hatte. Für eine warme Mahlzeit reichte mein Brennstoff leider nicht mehr aus. 

 

Das Thermometer zeigte bereits -21 Grad an und mein Schlafsack wärmte mich, so das ich nicht fror. Schnell schlief ich ein und auch meine Hunde lagen eingerollt im Schnee und überstanden die Nacht ohne das die kälte ihnen etwas anhaben konnte.