Im Schatten des Großglockners

 

 

Nach einer Hiobsbotschaft bei meiner Wanderbegleitung, blieb mir nur die Möglichkeit alleine zur Schobergruppe zu fahren. So machte ich mich mit gemischten Gefühlen gegen 17 Uhr in Hirschbach auf die Socken, nahe der Autobahn kurz vor München gelegen, fahre ich in der Regel zu meiner Tante, meinem Onkel und meinem Cousin um nochmal vor meiner Tour etwas warmes zu essen. Wir können den neusten Familientratsch austauschen und zu dem schmeckt es hervorragend.

 

Irgendwann gegen 1 Uhr am nächsten morgen stehe ich vor den Schranken der Glocknerstraße und lese geöffnet ab 6 Uhr. Zumal mir der Mautpreis auffiel der zu entrichten war, diesen verdrängte ich schnell. So ein misst dachte ich mir und ging etwas genervt ins Bett meines Transporters. Nach 5 Stunden schlaf dann los auf zur letzten Stunde im Auto.

 

Am Parkplatz das Auto abgestellt packe ich meinen Rucksack neu, da ich allein unterwegs sein würde, wählte ich einen kleineren Rucksack und ließ meine Systemkamera zu Hause. "Puhh ganz schön eng jetzt noch das Hundefutter rein und los" ging mir durch den Kopf. Mit 4 Stunden Verspätung flitze ich dann um 8 Uhr los auf zur Stockerscharte.

 

Meine mittlerweile Dogtrekking erprobten Hunde Taiga und Friedjof Nansen sprangen plötzlich in die Leine rein als wenn ihr Frühstück 2 Meter neben uns auf dem Trail lag. Was sie erblickten war mir zunächst nicht klar. Aber weiter ging es. Berg auf, der erste Anstieg hatte es bereits ordentlich in sich und es ging 500 Meter aufwärts. Da machte mich Taiga durch ihr unangekündigtes, seltenes zerren an der Leine auf ein Murmeltier aufmerksam. Noch eins und noch eins... Eine ganze Familie.

Das erste mal das ich diese goldigen Tiere sah, mit ihren schrillen lauten Rufen machen sie wunderbar auf sich aufmerksam und man kann sie gut beobachten. Manchmal stehen sie aber auch da wie angewurzelt als wenn sie meditierten.

 

Über die Scharte hinweg kam ich gegen 12 Uhr beim der Salmhütte an, ein kleines Bier um meinen bei schönster Kulisse auf den Großglockner zur rechten und dem Leitertal zur linken.

 

Über die Portscharte hinweg wollte ich einen Seilversicherten Abschnitt wagen und kraxelte auf 2828 m hoch.

Auf der anderen Seite ging es etwas rutschig, steil und steinig wieder runter, bevor dann der gesicherte Weg nach links abbog.

 

Taiga hatte wie immer ihre Probleme hinter mir zu bleiben. Eine Diskussion, die wir schon immer führten und vermutlich immer führen werden. Über eine interessant am Berg angebrachter Holzeinstieg ging es in den Seilversicherten Teil.

 

Ich denke das Ding diente der Abschreckung, denn mal abgesehen das man schwindelfrei, trittsicher und die Hunde nicht an der falschen Stelle unerwartet ziehen sollten war der Steig gut machbar und beide Hunde liefen trittsicher zur Glorerhütte.

Mein Bauch meldete sich und es gab Suppe mit 2 großen Kasknödeln, wobei ich doch direkt an Heiner denken musste, der mich oft auf Touren begleitet und in die Dinger verliebt ist. Ein Begrüßungsschnaps, für mich und Streicheleinheiten für die Hunde, so lässt es sich in den Bergen wandern, herrlich. Nach einer ausgiebigen Pause kam ich meinem Ziel Böses Weibl immer näher.

 

Kurz nach der Hütte überholte ich eine Touristengruppe, die durch ihre Schönwetter Wanderkleidung auffiel. Ob die sich der Wegbeschaffenheit bewusst waren, schien mir nicht gesichert. Es ging über einen halben Meter große Steine Bergab und Bergauf und man musste aufpassen das man keinen dieser verfehlte da man sonst böse gestürzt wäre.

An der letzten Gabelung entschied ich mich dann endgültig zuerst über das Böse Weibl zu gehen und nicht zum Biwakcontainer der etwa 30 min unterhalb vom Gipfel an einer Scharte stand, wo ein Weg direkt hinführte. Plötzlich überholte mich ein Läufer von hinten, der schnellen Fußes den Trail hinaufschoss. Dies gab meinen Hunden noch einmal Motivation ihrer Aufgabe als Zughunde nachzukommen. Diese litt ein wenig durch die anhaltende Sonne und damit einhergehende Hitze. Beide nutzten jede Gelegenheit aus den Bächen zu trinken und ihre Pfoten zu kühlen.

Die dünner werdende Luft merkte ich bereits und nach meinem empfinden tritt das etwa ab 2700 Meter ein, zumindest kam es mir so vor. Immer wieder nach ein paar Metern musste ich stehenbleiben, da mein Puls ins unendliche schoss und mir schwindlig geworden wäre.

Der Trail-Läufer kam mir bereits wieder entgegen und ich kämpfte mich Meter für Meter nach oben. Ohne das mir die Zeit im Nacken saß machte ich reichlich Pausen um meine Energie gut einzuteilen.

Die letzten Meter zum Gipfelkreuz waren etwas Kraxelei. Überglücklich am Kreuz angekommen freute ich mich mit Friedjof und Taiga über den für jeden von uns ersten 3000er Gipfel. Wir genossen den Blick rund um uns herum, auf den Glockner, der von dort aus sehr schön zu sehen ist. Die Sonne gab Ende September nochmal alles und es war für die Höhe sehr warm. Ein bissel steinig, aber für mich wird es reichen vom Platz her zum schlafen, dachte ich mir und fing an mein Biwakzelt aufzuschlagen. Die Hunde ringelten sich gleich ein und dösten vor sich hin.

Ein Spiel aus Wind und Wolken lies immer andere Blicke auf das Umland frei und mal war der Gipfel vom Glockner in Wolken gehüllt und mal nicht.

Die Sonne neigte sich dem Ende und ich hatte mühe die Augen aufzuhalten, die Täler füllten sich mit Nebel und der Tag ging friedvoll zu Ende.

 

Irgendwann Nachts wurde ich wach und sah Friedjof da sitzen er bemerkte mich und kam zu mir um mir durchs Gesicht zu schlecken, ich streichelte ihn ein wenig wir beobachteten die Sterne. Ein solchen Sternenhimmel hatte ich noch nie oder zumindest schon lange nicht mehr gesehen. Es war am Tag zuvor Neumond recherchierte ich später und das schmutzige Licht aus den Orten rings um uns herum in Nebel lag. Die Milchstaße und abertausenden Sterne. Ich philosophierte in meinen Gedanken. "Was machen wir Menschen für ein Misst Tag ein Tag aus, beschäftigen uns mit soviel quatsch, was einfach ohne Bedeutung ist hier oben."

 

Hier oben herrscht Frieden, stille, keine Geräusche, kein Auto, kein Radio und kein Smartphones. Ich schalte meins grundsätzlich auf Touren aus um dem „ständig online sein“ zu entgehen.

 

Nachdem meine Gedanken wie von alleine verschwinden tritt leere ein und beobachte nur noch die Sterne. Einige Stunden lag ich da in mir ein wohltuende leere und über mir dieser unendlich große Raum, Raum gefüllt mit Plejarden.

Bevor ich die Augen wieder schloss entschied ich mich noch, den Sonnenaufgang noch vor meinem aufbrechen abzuwarten und genießen zu wollen, auf die Gefahr hin nicht die ganze Strecke am nächsten Tag zu schaffen. Die Tagesetappe für den zweiten Tag war mit etwa 12-14 Stunden veranschlagt, dann noch 7-8 Stunden nach Hause fahren. Da war der Start um 7 in der Früh zu spät.

Die Helligkeit mit dem Sonnenaufgang einhergehend weckte uns drei und ich raffte meine Sachen zusammen und machte mich pünktlich mit dem eintreten der ersten Strahlen auf den Weg zur Elberfelder Hütte, wo ich hoffte einen Kaffee zu bekommen.

So war es auch und ein paar Hobbyschäfer fragten mich ob ich ihre Herde gesehen hätte. Diese waren weiter oben tatsächlich von mir beobachtet worden als ich mich fragte, was sie denn da zwischen den Steinen noch an Gras fanden.

Es war inzwischen halb neun und ich überlegte mir die Strecke zwar zu kürzen wie von mir als Option vorgesehen, aber vorher noch auf den Roten Knopf zu wandern. Bewaffnet mit nur dem nötigsten, wie Erste Hilfe, Riegel, Nüsse und Schokolade zogen wir drei los.

Die anderen Sachen ließ ich an der Hütte.

Nachdem wir das letzte Grün unter uns ließen balancierten wir über große Felsbrocken aufwärts.

Wieder so bei ca. 2700 Meter wurde die Luft deutlich dünner wir mussten oft Pause machen um Sauerstoff ins Blut zu transportieren. Aber gemächlich ging es immer weiter hoch. Die Booties, welche ich am morgen auf dem Bösen Weibl den beiden anzog waren bereits durchgelaufen und so ging es ohne weiter. Meiner Einschätzung nach sollte es von den Pfoten her kein Problem geben, da ich sie am Tag zuvor auch komplett gebootet hatte.

Die leichte Kletterei war hochwärts noch kein Problem und sollte sich runter als für uns anspruchsvoll aber machbar erweisen.

Nach 2 Stunden und 45 min am Gipfel angekommen saß ich mich erschöpft hin und atmete tief durch. Die drei Wanderer, die bereits oben waren machten noch schnell ein Bild von uns bevor sie wieder abstiegen. Wir genossen noch unseren zweiten 3000er innerhalb von 24 Stunden und so überhaupt.

 

Mit 3281 Metern ist der Rote Knopf noch etwas näher dem Himmel als das Böse Weibl.

 

Der Abstieg ging recht flüssig, bis auf die paar Kletterstellen, an denen mit Vorsicht zu walten war.

Weiter unten machte Friedjof die Hitze zu schaffen und er suchte nach Schattenplätzen zum hinzulegen. Mir war auch so, als wenn er konzentrations- technisch müde war.

Allerdings 20 Minuten vor erreichen der Hütte ließ ich das nicht gelten und motivierte ihn zum weiterlaufen, was mir mehr oder weniger gelang.

Da ich weiß, dass wenn sich Grönis hinlegen und nicht mehr laufen wollen, sie noch etwa 20-30 Prozent ihrer Energie zurückhalten musste er da jetzt durch und wir zogen bis zu Elberfelder Hütte.

Dort bekamen die beiden Rinderkopfhaut zum knabbern, einen kühlen Schattenplatz und friches Wasser. Friedjof hatte mir bereits verziehen.

 

 

Für mich gab es eine Linsensuppe mit Knödeln und ein Bier. Aus dem ersten Bier wurde dann noch eins und zack war ich nach zwei Bier voll angetrunken. Vor mir lag noch ein Weg der mit 4 h angeschlagen war und es war bereits halb 4 bis ich los kam. Ich immer noch angeschickert drückte aufs Gas und ging in ab und an in Joggen über. Als ich dann den Singeltrail verließ um auf einer schmalen Fahrspur weiter Talabwärts zu laufen, ging ich gänzlich ins Joggen über und schwitze die beiden Bier wieder vollständig aus. Nach 2 Stunden und 10 min am Auto stehend überglücklich über meine intensive Zeit in den Bergen mit meinen vierbeinigen Begleitern fuhr ich um 17.45 Uhr wieder Richtung Deutschland.

In Summe waren wir 45 km, 4200 hm und zwei 3000er.

 

Danke an meine lieben Freunde Uwe und Kathrin, die in der Zwischenzeit den Rest der Bande versorgt haben.

Ach ja und bevor ich das vergesse, die Altra Schuhe sind der Hammer, ich habe noch nie so gut in Schuhen gesteckt wie in diesen Teilen.